Philosophie und Aktivismus

Wir leben in politisch angespannten Zeiten. Da kann man sich, wenn man diese der Philosophie widmet, schonmal fragen, ob die eigene Tätigkeit hierfür eigentlich mehr Relevanz hat als etwa das „Binge-Watching“ von TV-Serien – und ob man nicht besser an die frische Luft gehen, seine Zeit mit seinen Nächsten verbringen oder sich doch tatsächlich mal politisch engagieren sollte. „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern“ [1], meinte ja Karl Marx. Weiterlesen

Ökologie und Karma: Rächt sich die Natur am Menschen?

Angesichts der Corona-, aber auch der Klimakrise stellen sich viele Menschen die Frage, ob die Krisen nicht nur kontingente Geschehnisse seien, die sich so ereignen, wie sie es eben tun, sondern vielmehr eine „Quittung“ für unsere Ausbeutung der Natur, eine „Lektion“, die wir nun zu lernen haben, oder Vergleichbares. So titelte der WWF zu Corona, die Natur zeige uns Rot, und der ehemalige niedersächsische Umweltminister meint gar, sie räche sich am Menschen. Grundsätzlich bin ich absolut dafür, in der Natur auch das Symbolische zu sehen, statt sie dem Menschen lediglich als neutrale Materie gegenüberzustellen. Nichtsdestotrotz lässt sich fragen: Hat die Natur wirklich derartige Rachegelüste? Und wenn nicht, was wäre die Alternative? Weiterlesen

Dekonstruktion und Buddhismus

Anatta“ ist ein zentrales Konzept, über welches der Buddhismus aus den vedischen Lehren des alten Indiens erwuchs und sich von diesen entsprechend abgrenzt. Häufig wird es auf die Aussage reduziert, dass das Ich eine Illusion und zugleich Quell alles Leids beziehungsweise Anhaftens sei. Kombiniert mit Jacques Derridas Philosophie der Dekonstruktion ist hier jedoch ein deutlich erweiterter Blick möglich, der auch unser Verständnis von Logik und Wahrheit berührt. Ich bin versucht, darin den Kern von Anatta zu sehen, wie ich (ich Europäer) es auslegen würde. Weiterlesen

Menschenrechte und Menschenleben: eine erweiterte Perspektive

Anlässlich der Einschränkungen unserer Freiheit habe ich in meinen bisherigen Beiträgen zu Corona unsere verbrieften Grundrechte eher verteidigt und betont. Leitmotiv war dabei, dass Menschenleben keinen absoluten Vorrang vor den übrigen Menschenrechten haben können – denn sonst müssten wir den Corona-Zirkus auch zur alljährlichen Grippewelle veranstalten –, und dass insbesondere ein Leben, das bloß noch dem Überleben dient, ein sinnloses Leben wäre. Nachdem das nun geklärt ist, möchte ich eine erweiterte Perspektive vorschlagen. Weiterlesen

Die andere Seite des Eigentums (kurz notiert)

Mein, dein – das sind doch alles bürgerliche Kategorien

sprach das kommunistische Känguru. Wenn auf diese Art über „Mein“ und „Dein“ geurteilt wird, denkt man meistens an das Privateigentum: an mein Auto, mein Geld auf meinem Konto, mein Ferrari, meine Luxusvilla, mein, mein, mein, alles meins. Diese Auffassung spiegelt sich sogar in der grammatikalischen Kategorisierung derartiger Pronomen als „Possessivpronomen“ wider – „possessiv“ wie „besitzanzeigend“. Im Marxismus gilt das Privateigentum als Ausdruck gesellschaftlicher Macht-, ja, Gewaltverhältnisse. Weiterlesen

Corona zwischen Technokratie und Nihilismus

Der Corona-Krise begegnen wir in vielerlei Hinsicht mit einer trostlosen Überlebenslogik, mit einem technokratischen Nihilismus: Um Menschenleben zu retten, müssen wir uns quasi tot stellen. Dieses Denken ist nicht neu. Die Krise bringt es lediglich zum Vorschein. Damit kann sie aber auch als Chance gesehen werden, dem Abgrund ins Gesicht zu blicken.

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Die 12-Teilnehmer-ÖDP-Demo: gut und richtig!

Am Freitag gab es in München eine kleine Demonstration für unsere verbrieften Grundrechte und für einen intelligenten und verhältnismäßigen Umgang mit dem Virus, die von dem ÖDP-Mitglied Thomas Prudlo organisiert wurde. Die Veranstalter mussten sich gegen einige Widerstände durchsetzen, bekamen die Demo dann aber genehmigt und haben so einen Präzedenzfall für zukünftige Veranstaltungen geschaffen. Die Teilnehmer haben fortlaufend den Sicherheitsabstand eingehalten und sich somit bei der Aktion in keine größere Ansteckungsgefahr begeben als bei einem Spaziergang (und erst recht beim Einkaufen). Weiterlesen

Immanuel Kant und die Außerirdischen

Dass die kopernikanische Wende dazu einlud, die Stellung des Menschen im Kosmos zu überdenken, ist ein kulturwissenschaftlicher Gemeinplatz. In diesem Zuge ließen sich auch hervorragend Gedanken über Bewohner anderer Gestirne entwerfen. Ein Giordano Bruno musste für entsprechendes Gedankengut noch sein Leben lassen. Im Zeitalter der Aufklärung durfte Immanuel Kant freier über die Thematik nachdenken. Mit Bruno hat er dabei allerdings gemeinsam, dass er hier nicht mit der Nüchternheit des Wissenschaftlers, mit der Vorsicht des Philosophen vorgeht, sondern auch die Leidenschaft eines Mystikers an den Tag legt.

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Corona und der Wille zum Verzicht

Unabhängig davon, ob man die Maßnahmen gegen Corona für angemessen, übertrieben oder untertrieben hält, für zielführend oder nicht, für ein sozialistisches, kapitalistisches oder technokratisches Machtinstrument – unabhängig davon kann man es doch beachtlich finden, wie bereitwillig sich die meisten Menschen ihnen fügen. Hier scheiden sich dann schon wieder die Geister, für manchen ist es gesunder Menschenverstand, für manch anderen soziale Verantwortung, für manchen Autoritätshörigkeit. Corona scheint plötzlich all jene Sachzwänge auszuhebeln, von denen sich unsere lieben Realpolitiker sonst so gepiesackt fühlen.

Ja, Corona wurde der Krieg erklärt, und wie im Krieg üblich werden parteiliche Streitereien weitgehend beigelegt, man hat jetzt der höheren Sache zu dienen, ein noch größerer Sachzwang steht also über all den kleineren, welche uns sonst so plagen. Der Zweck heiligt in diesem Fall die Mittel, selbst, wenn zu den ausgehebelten Sachzwängen geltende Grundrechte gehören.

Ich möchte hier nichts vorschnell be- und verurteilen. Mich interessiert an dieser Stelle nur, woher diese Bereitwilligkeit kommt, und ich möchte eine Idee äußern, die ich zumindest noch nirgends gefunden habe: Vielleicht kommt der Wille zum Verzicht ja auch schlicht aus einem kollektiven Bewusstsein des Überflusses, in dem wir leben. Für die ganzen Kleinunternehmer sieht es momentan zwar nicht gerade nach Überfluss aus, und für die Tagelöhner Indiens sicher auch nicht, ihnen werden große Opfer abverlangt beziehungsweise aufgenötigt. Nichtsdestotrotz haben in den letzten anderthalb Jahren die Diskussionen um den Klimawandel massiv zugenommen, allgemein scheint sich ein Bewusstsein für die ökologische Krise breit zu machen, zu welchem natürlich auch unser Konsumverhalten gehört.

Was wäre denn, wenn es der Wille zum Verzicht ist, der uns so bereitwillig und ohne viel Gezeter verzichten lässt? Ich würde sagen: Verzicht fällt immer dort leicht, wo man zu ihm gezwungen wird, wo man keine Wahl hat. Mit der Staatsgewalt im Hintergrund haben wir hier nicht viel Wahl, der Sachzwang gibt sich alternativlos. Das führt allerdings zu der Sorge, dass, wenn der kalte Entzug an diversen Konsum- und anderen Gütern beendet wird, auch das Konsumverhalten nach wenigen Wochen wieder das alte sein wird.

Wenn wir weiter auf Überflüssiges verzichten wollen – wozu soziale Kontakte natürlich nicht zählen – bleibt jedoch eine Hoffnung: Wenn sich genug Ökosysteme ausreichend regenieren, um hinreichend sichtbare Veränderungen zu erleben, oder wenn sich die Natur auf andere Weise zeigt, vielleicht sogar im Alltag, vielleicht kann der kalte Entzug sich dann als nachhaltige Therapieform erweisen, zumindest als ersten Schritt. Aber wer weiß das schon. Alle Fragen bleiben offen.

Karl Popper und Gilbert Ryle

Auf Youtube gibt’s neue Videos, auf beiden Kanälen: Überlegungen zu Karl R. Poppers Falsifikationismus und eine Buchbesprechung zu Gilbert Ryles Begriff des Geistes. Viel Spaß damit!