„Gleichstellung nach unten“: Die materialistische Ethik als Einebnung der Natur

Dass der Mensch letztlich selbst ein Tier unter vielen sei, wird in zeitgenössischen Debatten um Tierethik gerne hervorgehoben. Man meint damit, das alte Narrativ vom Menschen nicht nur als Krone, sondern als König der Schöpfung, als Herrscher über die Natur zu überwinden. Doch so einfach verhält sich das nicht.

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Wie Stephen Hawking sich die Entstehung der Welt vorstellt

Die moderne Kosmologie wird mithin als Suche nach einer Art „Weltformel“ imaginiert, einer theory of everything. In eine ähnliche Richtung deutet schon der Begriff des „Naturgesetzes“. Doch wie hat man sich das Verhältnis von Welt und Formel, von Natur und Gesetz hier vorzustellen?

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Von Aristoteles zu Platon

Als jemand, der immer irgendwie mit dem „Transzendenten“ geliebäugelt hat, habe ich mich im Zuge meiner beginnenden Beschäftgung mit der abendländischen Philosophie eigentlich eher zu Platon hingezogen gefühlt als zu Aristoteles. Als Unterscheidungsmerkmal beider gilt zumeist die platonische Ideenlehre: Während Platon glaubte, dass die zeitliche und vergängliche Welt bloßes Abbild ewiger und transzendenter „Ideen“ sei, meinte Aristoteles, dass die Formen und Muster, welche die platonischen Ideen bilden, immer Formen von Dingen seien, die man sich dabei als etwas bereits „Angesprochenes“ denken müsse.

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Bekämpfen und Heilen

Zum Problemlösungsverständnis abendländischer Kultur gehört es, dass man Probleme bewältigt, indem man sie „bekämpft“, sprich: als Feinde klassifiziert, die es zu bekriegen und so zu beseitigen gilt. Das provoziert ein einfaches Freund-Feind-Schema, welches der Komplexität der Wirklichkeit nicht gerecht werden kann. Insbesondere Probleme, die auch mit einem selbst zu tun haben könnten, verbleiben naturgemäß unter diesem doch sehr begrenzten Radar.

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Die Technokratie als Scheitern der Aufklärung

Dieser Ausspruch Immanuel Kants wurde schon übermäßig oft zitiert, doch wir benötigen ihn für eine logische Analyse. Also, einmal bitte gebetsmühlenartig im Chor:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

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„Gendern“: Eine phänomenologisch-semantische Analyse

Sich als weißer cis-heterosexueller (immerhin nicht alter) Mann über Feminismusthemen zu äußern, erfordert natürlich stets besondere Rücksichtnahme. Ich sage das augenzwinkernd, meine es aber ernst. Doch in redlicher Absicht andere Perspektiven vorzuschlagen sollte ja immer möglich sein.

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Der Wald zwischen Kohle, Windkraft und Elektromobilität

Dass die geplante Abholzung des Hambacher Forstes groß durch die Medien ging, ist ja schon ein Weilchen her. Fast fühlt es sich an, als würde das dortige Geschehen einer anderen Welt angehören, der Welt vor Corona… Nichtsdestotrotz findet man auch aktuelle Beiträge, der Wald – das heißt der umkämpfte Rest von ihm – steht noch.

Weniger bekannt ist dagegen, zumindest bisher, der Reinhardswald nördlich von Kassel, das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens und Inspirationsquelle Grimmscher Märchen: Der Wald soll noch ab diesem Herbst mit 20 riesigen Windkraftanlagen aufgestockt werden, die – mit geringer Übertreibung – fast so hoch wie der Eiffelturm sind. Das hätte, zumal die Anlagen sich nicht von selbst dort hinstellen, auch Auswirkungen auf das Ökosystem. Anders als beim Hambacher Forst geht es um vermeintlich zukunftsweisende Energien im Zeichen des Klimaschutzes. Doch kann das auch nur ansatzweise eine Rechtfertigung sein? Falls nicht: Worum ging es eigentlich beim Hambacher Forst? Weiterlesen

Philosophie und Aktivismus

Wir leben in politisch angespannten Zeiten. Da kann man sich, wenn man diese der Philosophie widmet, schonmal fragen, ob die eigene Tätigkeit hierfür eigentlich mehr Relevanz hat als etwa das „Binge-Watching“ von TV-Serien – und ob man nicht besser an die frische Luft gehen, seine Zeit mit seinen Nächsten verbringen oder sich doch tatsächlich mal politisch engagieren sollte. „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern“ [1], meinte ja Karl Marx. Weiterlesen