Der Körper als Maschine, der Geist als Computer

Im Naturkundemuseum Münster befindet sich derzeit eine Ausstellung zum menschlichen (und sicher auch tierischen) Gehirn. Um diese selbst soll es hier nicht gehen, nur um das zugehörige Werbebanner, auf welchem ein „aufgeklapptes“ und damit comichaft stilisierte Zahnräder entblößendes Gehirn dargestellt ist. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Gehirn ist eine Maschine. „Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“ – mit dem zugehörigen Bild wird im gleichen Atemzug gesagt: sie sind allesamt nur automatische Funktionen dieses Apparates.

Weiterlesen

Lesung „Welt(t)raum“ (2/2) [Kapitel 02]

Lesung aus meinem 2017 erschienenen Buch „Welt(t)raum„. Verfügbar auf Amazon.

Kapitel 2: Der Mensch und das All
Das unbeschriebene Blatt
Nach den Sternen navigieren

Lesung „Welt(t)raum“ (1/2) [Vorwort + Kapitel 01]

Lesung aus meinem 2017 erschienenen Buch „Welt(t)raum„. Verfügbar auf Amazon.

Vorwort
Kapitel 1: Außenschau und Innenschau

Philosophie des Erkennens (kurz notiert)

Mit Erkenntnistheorie habe ich mich noch nicht viel befasst, aber mir scheint, dass sie sich entweder mit den allgemeinen Gesetzen für deduktive Erkenntnis oder den Prüfungskriterien für induktive Erkenntnis befasst.

Was ist aber mit dem Vorgang des Erkennens selbst, also der Frage, wie ein Forscher ganz konkret und persönlich zu seiner Erkenntnis gelangte? In den wahrhaft großen Fällen scheint es sich hier manchmal um schicksalhafte Ereignisse zu handeln, um spontane Einsichten, die scheinbar wenig mit Erkenntnistheorie und viel mit unbewussten Prozessen zu tun haben. Newton fiel der Legende nach der Apfel auf den Kopf. August Kekulé soll der Einfall mit der Ringstruktur des Benzols gekommen sein, nachdem er vom Ouroboros geträumt hatte, der sich in den Schwanz beißenden Schlange. Auch im Kleinen zeigen sich Lösungen manchmal von selbst, wenn man aufhört, nach ihnen zu suchen. Gibt es Versuche, sich diesen Prozessen philosophisch anzunähern? Gibt es zusätzlich zur bekannten Erkenntnistheorie auch eine umfassendere „Philosophie des Erkennens“?

Gedanken zum Begriff der Kausalität in Physik und Bewusstseinsforschung

Mit der Quantenphysik hielt der „Indeterminismus“ Einzug ins physikalisch-philosophische Alltagsvokabular. Indeterminismus bedeutet, auch bei vollständiger Kenntnis der Anfangsbedingungen nicht vorhersagen zu können, wie sich das betrachtete System verhalten wird. Man unterscheidet zwischen „epistemischem“ und „ontischem“ Indeterminismus. In diesem Text möchte ich darlegen, dass der ontische Determinismus gleichbedeutend mit einem akausalen Verhalten des Systems ist und auf dieser Grundlage dann die Kausalität überhaupt hinterfragen. Wer sich in der Materie bereits auskennt, kann die ersten beiden Abschnitte getrost überspringen. Weiterlesen

Bewusstsein und Gewusstwerden

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. (1. Kor 13, 12)

Das Unbewusste als komplementäres Gegenstück zum Bewusstsein hat schon lange einen festen Platz in unserer Kultur gefunden. Der Begriff „Unterbewusstsein“ kursiert synonym hierfür ebenso, widerspricht sich jedoch selbst, denn wenn sich das Unterbewusstsein gerade dadurch auszeichnen soll, dass mir seine Inhalte nicht bewusst sind, dann sollte es wohl nicht als ein zweites Bewusstsein unterhalb des eigentlichen Bewusstseins gedacht werden, sondern eben als Nicht-Bewusstsein, als Unbewusstsein oder eben Unbewusstes.

Unbewusst kann uns der Ort sein, an welchem wir den Schlüssel abgelegt haben (wenn wir aufgehört haben, darüber nachzudenken, fällt er uns auf magische Weise dann plötzlich ein), das Leid der Tiere, welches ich beim Einkauf verdränge, um mich nicht mit meinem Gewissen herumplagen zu müssen sowie die Einsicht, dass mein schlechter Geschmack bei Frauen auf ein gestörtes Verhältnis zu meiner Mutter zurückzuführen sei. Weiterlesen

Sein und Existenz

Was ist der Unterschied zwischen „Sein“ und „Existenz“? Für mich hatte der Begriff „Sein“ immer eine umfassendere, gleichzeitig schwammigere Bedeutung als der letztere.

Einen Erklärungsansatz bietet, wie so oft, die etymologische Recherche: Das Lateinische existere („entstehen, hervortreten“) setzt sich zusammen aus ex („aus, heraus“) und sistere („anhalten, stellen“).¹ Das Existierende ist folglich das Entstehende, Hervortretende, Herausstellende. Die Existenz ist entsprechend das Entstehen (oder Entstanden-Sein), Hervortreten (oder Hervorgetreten-Sein), Herausstellen (oder Herausgestellt-Sein). Weiterlesen