Slavoj Žižek über die „Ode an die Freude“

Lange ist es noch nicht her, dass ich zum ersten Mal Beethovens Ode an die Freude hörte. Ich meine den ganzen 23-minütigen Schlusssatz der neunten Sinfonie; das „Freu-de schö-ner Göt-ter-fun-ken…“, den mittigen Höhepunkt kennt schließlich so ziemlich jeder, wenngleich er ohne vorherigen Spannungsaufbau kaum seine ganze Wirkung, ja, Gewalt entfaltet. Slavoj Žižek hat mir eine neue Perspektive auf das Werk gegeben. Jeder mit hinreichend viel Muße unternommene Hördurchgang rührte mich bisher auf die eine oder andere Weise zu Tränen. Nun ist mir aber endgültig klar geworden, dass Tränen – selbst die eigenen – durchaus lügen können.

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Jenseits von Reduktionismus und Vitalismus

Der „Reduktionismus“ gehört – als Objekt der Abgrenzung, Kritik und Überwindung – zu meinen Lieblingsthemen in der Metaphysik. Reduktionismus hat viele Facetten: Eine davon ist seine Verbreitung in Form von „Nichts als“-Formeln – Leerformeln –, welche in der englischsprachigen Literatur auch als Nothing-buttery bezeichnet wurden: Menschen seien „nichts als“ Ansammlungen von Elementarteilchen, Elementarteilchen seien ihrerseits „nichts als“ Quantenfluktuationen, Willensfreiheit sei „nichts als“ eine Selbsttäuschung des Gehirns etc.

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Publikation: Die „Physis“ bei Aristoteles und Heidegger (Masterarbeit)

Bereits Ende September hatte ich die Masterarbeit für mein Philosophiestudium abgegeben, doch erst vor wenigen Tagen erreichte mich endlich das Zeugnis. Ihr Titel lautet Die „Physis“ bei Aristoteles und Heidegger. Die Arbeit ist mit 1,0 bewertet, meine Abschlussnote liegt bei 1,15. Ich habe die Datei auf Academia.edu hinterlegt.

Der Idealismus der Erkenntnis

„Idealismus“ bedeutet in der Philosophie nicht dasselbe wie in der Alltagssprache. Philosophischer Idealismus ist die Annahme, dass einem wie auch immer gearteten „Geist“, einer „Vernunft“ oder anderweitig „Höherem“ eine wichtige oder gar primäre Stellung in der Wirklichkeit zukommt. In der Alltagssprache ist ein „Idealist“ ein „Gesinnungsethiker“, ein „Realist“ hingegen ein „Verantwortungsethiker“. Beide Idealismen haben zumindest eins gemeinsam: Unter Leuten, die sich mit ihnen beschäftigen, sind sie aktuell zumeist verschrien. Doch ich neige zu der Auffassung, dass nicht nur die Philosophie, sondern jegliche Erkenntnis per se idealistisch ist, dass sie gar nicht anders als idealistisch sein kann.

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„Gleichstellung nach unten“: Die materialistische Ethik als Einebnung der Natur

Dass der Mensch letztlich selbst ein Tier unter vielen sei, wird in zeitgenössischen Debatten um Tierethik gerne hervorgehoben. Man meint damit, das alte Narrativ vom Menschen nicht nur als Krone, sondern als König der Schöpfung, als Herrscher über die Natur zu überwinden. Doch so einfach verhält sich das nicht.

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Wie Stephen Hawking sich die Entstehung der Welt vorstellt

Die moderne Kosmologie wird mithin als Suche nach einer Art „Weltformel“ imaginiert, einer theory of everything. In eine ähnliche Richtung deutet schon der Begriff des „Naturgesetzes“. Doch wie hat man sich das Verhältnis von Welt und Formel, von Natur und Gesetz hier vorzustellen?

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Von Aristoteles zu Platon

Als jemand, der immer irgendwie mit dem „Transzendenten“ geliebäugelt hat, habe ich mich im Zuge meiner beginnenden Beschäftgung mit der abendländischen Philosophie eigentlich eher zu Platon hingezogen gefühlt als zu Aristoteles. Als Unterscheidungsmerkmal beider gilt zumeist die platonische Ideenlehre: Während Platon glaubte, dass die zeitliche und vergängliche Welt bloßes Abbild ewiger und transzendenter „Ideen“ sei, meinte Aristoteles, dass die Formen und Muster, welche die platonischen Ideen bilden, immer Formen von Dingen seien, die man sich dabei als etwas bereits „Angesprochenes“ denken müsse.

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