Der Körper als Maschine, der Geist als Computer

Im Naturkundemuseum Münster befindet sich derzeit eine Ausstellung zum menschlichen (und sicher auch tierischen) Gehirn. Um diese selbst soll es hier nicht gehen, nur um das zugehörige Werbebanner, auf welchem ein „aufgeklapptes“ und damit comichaft stilisierte Zahnräder entblößendes Gehirn dargestellt ist. Die Botschaft ist unmissverständlich: Das Gehirn ist eine Maschine. „Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl“ – mit dem zugehörigen Bild wird im gleichen Atemzug gesagt: sie sind allesamt nur automatische Funktionen dieses Apparates.

Weiterlesen

Erzählung „Rückkehr und Verschwinden“

cover-text

Samuel stirbt. Doch seine Seele lebt weiter.

Samuel Kravagna, passionierter Bergsteiger, wird von einer Lawine verschüttet. Während sein Leib durch Sauerstoffmangel in den Zustand der Ohnmacht ohne Wiederkehr tritt, löst sich seine Seele fortschreitend von ihm ab, durchbricht autark die Verkrustungen ihrer Traumata, wandelt durchs Fegefeuer und taucht schließlich hinab in die Tiefe ihrer eigenen Mysterien und eigentlichen Ewigkeit.

Weitere Informationen hier. Erwerben lässt sich die Erzählung dort.

Philosophie des Erkennens (kurz notiert)

Mit Erkenntnistheorie habe ich mich noch nicht viel befasst, aber mir scheint, dass sie sich entweder mit den allgemeinen Gesetzen für deduktive Erkenntnis oder den Prüfungskriterien für induktive Erkenntnis befasst.

Was ist aber mit dem Vorgang des Erkennens selbst, also der Frage, wie ein Forscher ganz konkret und persönlich zu seiner Erkenntnis gelangte? In den wahrhaft großen Fällen scheint es sich hier manchmal um schicksalhafte Ereignisse zu handeln, um spontane Einsichten, die scheinbar wenig mit Erkenntnistheorie und viel mit unbewussten Prozessen zu tun haben. Newton fiel der Legende nach der Apfel auf den Kopf. August Kekulé soll der Einfall mit der Ringstruktur des Benzols gekommen sein, nachdem er vom Ouroboros geträumt hatte, der sich in den Schwanz beißenden Schlange. Auch im Kleinen zeigen sich Lösungen manchmal von selbst, wenn man aufhört, nach ihnen zu suchen. Gibt es Versuche, sich diesen Prozessen philosophisch anzunähern? Gibt es zusätzlich zur bekannten Erkenntnistheorie auch eine umfassendere „Philosophie des Erkennens“?

Bewusstsein und Gewusstwerden

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. (1. Kor 13, 12)

Das Unbewusste als komplementäres Gegenstück zum Bewusstsein hat schon lange einen festen Platz in unserer Kultur gefunden. Der Begriff „Unterbewusstsein“ kursiert synonym hierfür ebenso, widerspricht sich jedoch selbst, denn wenn sich das Unterbewusstsein gerade dadurch auszeichnen soll, dass mir seine Inhalte nicht bewusst sind, dann sollte es wohl nicht als ein zweites Bewusstsein unterhalb des eigentlichen Bewusstseins gedacht werden, sondern eben als Nicht-Bewusstsein, als Unbewusstsein oder eben Unbewusstes.

Unbewusst kann uns der Ort sein, an welchem wir den Schlüssel abgelegt haben (wenn wir aufgehört haben, darüber nachzudenken, fällt er uns auf magische Weise dann plötzlich ein), das Leid der Tiere, welches ich beim Einkauf verdränge, um mich nicht mit meinem Gewissen herumplagen zu müssen sowie die Einsicht, dass mein schlechter Geschmack bei Frauen auf ein gestörtes Verhältnis zu meiner Mutter zurückzuführen sei. Weiterlesen

Sein und Existenz

Was ist der Unterschied zwischen „Sein“ und „Existenz“? Für mich hatte der Begriff „Sein“ immer eine umfassendere, gleichzeitig schwammigere Bedeutung als der letztere.

Einen Erklärungsansatz bietet, wie so oft, die etymologische Recherche: Das Lateinische existere („entstehen, hervortreten“) setzt sich zusammen aus ex („aus, heraus“) und sistere („anhalten, stellen“).¹ Das Existierende ist folglich das Entstehende, Hervortretende, Herausstellende. Die Existenz ist entsprechend das Entstehen (oder Entstanden-Sein), Hervortreten (oder Hervorgetreten-Sein), Herausstellen (oder Herausgestellt-Sein). Weiterlesen

Erinnerung: Gedanken über Urknall und Urkluft

Einst war das Alter, da Ymir lebte:
Da war nicht Sand nicht See, nicht salz’ge Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgend.¹

Der „gähnende Abgrund“ des Weltentstehungsmythos aus der germanischen Edda ist besser bekannt unter dem Namen „Ginnungagap“. Übersetzen lässt er sich auch als „Kluft“, und hierin entspricht er eins zu eins dem „Chaos“ aus der griechischen Mythologie, aus welchem dort die Welt hervorging.

Ich fand es immer faszinierend, dass unsere Vorfahren bereits die Idee eines Nichts, eines Abgrunds, einer Kluft als Ursprung der Welt hatten. Diese Kluft ist nicht der Weltraum, welcher ja oft nicht als Nichts, sondern in Form von konzentrischen Sphären vorgestellt wurde – denn im obigen Zitat heißt es explizit: „Nicht Erde fand sich noch Überhimmel“. Diese Urkluft reicht tiefer als der Himmel. Weiterlesen