Kurioses aus der Abteilung Sprachkosmetik (kurz notiert)

Das genderneutrale Suffix „-In“ (im Plural „-Innen“) mit sogenanntem Binnen-I dürfte mittlerweile ja hinlänglich bekannt sein. Während es mich immer schon gestört hat, dass diese zwang- wie krampfhaft durchgeführte und gleichzeitig oberflächliche Sprachkosmetik den natürlichen Text-, Lese- und Gedankenfluss unterbricht, konnte ich diese Einschränkung zumindest hinnehmen, meine ästhetischen Vorlieben nicht allzu schwer gewichtend, sie feministischen Belangen unterordnend. Solange ich nicht gezwungen werde, da mitzumachen, solange Verstöße gegen die politische Korrektheit noch nicht als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden, würde ich schon damit zurecht kommen.
Unter der Prämisse, dass die geschriebene Sprache ein (wenn auch formalisiertes) Abbild der gesprochenen sein sollte, dass sich also ein Text auch jederzeit laut ausgesprochen vorlesen lassen können sollte, kann ich bezüglich eines Wortes, über das ich in einem nicht weiter nennenswerten (hier aber trotzdem kurz verlinkten) Artikel gestolpert bin, nur noch den Kopf schütteln: Gemeint ist der Dativ von „jede*r“, also das unaussprechliche „jedem*r“, welches hervorragend zeigt, dass die deutsche Sprache in ihrer derzeitigen Form nunmal nicht genderneutral ist und sich auch nicht durch ein paar oberflächliche Handgriffe zur Neutralität ummodeln lässt.
„Jedem*r“. Wie soll ich das lesen? Wie soll ich es aussprechen? Jeder Versuch, es zu tun, endet beschämend lächerlich. Das einzige, was mir dieses Wort bringt, ist, dass es mich zum Lachen bringt. Was sich da so unscheinbar mit der politischen Korrektheit in die Sprache eingeschlichen hat, klingt, als müsste ich mich übergeben. Versuche ich, es zu begreifen, bleibt mein Hirn in einer Art Endlosschleife hängen. Und während es das tut, vergesse ich den Satz, die Aussage, um die es eigentlich ging, völlig.

2 Gedanken zu “Kurioses aus der Abteilung Sprachkosmetik (kurz notiert)

  1. Lieber Bengt, du hast ja sowas von Recht. Übertreibung führt zur Lächerlichkeit. Es wird auch vergessen, wenn es um eine Kategorie geht und nicht um bestimmte Personen, dann sagt man „jeder“, oder z.B. „Die Hamburger sprechen anders als die Münchener.“ So will es die Semantik. MfG Opa PS Man könnte für den Stern oder das Binnen-I die deutsche Sprache um einen neuen Laut erweitern, z.B. um einen Klicklaut, wie bei den Xhosa in Südafrika.

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    • Lieber Opa,
      genau, ich denke auch, dass vor wenigen Jahren schließlich noch jedem klar war, dass mit „die Hamburger“ auch die Hamburgerinnen gemeint sind. Die allgemeine Form klingt zwar gleich wie die maskuline, ist aber nicht bedeutungsgleich. Gleichzeitig ist sie die grammatikalisch unkomplizierteste. Dein Vorschlag ist aber höchst amüsant! Viele Grüße, Bengt

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